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Montag, 02 Juli 2018
Informationen: Wie schmutzig ist FSC-Grillkohle?

FSC-zertifizierte Holzkohle – Holzkohle aus verwantwortungsvoller Waldwirtschaft trägt das FSC-Zeichen. (© FSC Deutschland)© FSC Deutschland

FSC antwortet mit verschärften Maßnahmen für mehr Produktsicherheit bei zertifizierter Holzkohle


Auch in diesem Jahr gibt es wieder seitens WWF Deutschland Untersuchungen zum Markt der Holzkohleindustrie und deren Bezugsquellen.

In der Pressemitteilung WWF Deutschland (Weblink: https://www.wwf.de/2018/juni/wuerstchen-auf-dem-sc […]), in Verbindung mit der Veröffentlichung der Marktanalyse Grillkohle 2018 „Das schmutzige Geschäft mit der Grillkohle" (Download: https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen- […]) berichtet die Organisation vom Unregelmäßigkeiten im Holzkohlemarkt. Am Montag, 2. Juli 2018 hat das Erste (ARD) in der Reihe „Story im Ersten" (Programmhinweis: https://www.daserste.de/information/reportage-doku […]) ein gleichnamigen Film ausgestrahlt. Der Film setzt sich mit Herkunft und Produktion von Holzkohle auseinander sowie den Herausforderungen für Zertifizierung in diesem Bereich. Zertifizierung ist dabei ein Thema, dem die Journalisten sowie der WWF Deutschland in ihren Berichten, nachgehen.
Das Engagement des WWF Deutschland für eine Qualitätsverbesserung innerhalb der FSC-Zertifizierung wird von FSC begrüßt. Das Aufdecken von Missständen ist für ein anspruchsvolles Kontrollsystem wie dem des FSC notwendig. FSC prüft bereits, welche Rückschlüsse aus dem aufgedeckten Verhalten von Akteuren im Bereich Holzkohle zu ziehen sind, um Regelungslücken zu schließen und das Vertrauen von Verbrauchern, Umweltverbänden und Unternehmen in die FSC-Zertifizierung zu schützen. Zu allen in beiden Berichten genannten Fällen im Zusammenhang mit FSC laufen bereits Untersuchungen.

Bereits seit Ende 2016 gelten zusätzliche Kontrollmaßnahmen für FSC-Unternehmen, die mit Holzkohle handeln. Mittels der sog. Transaktionsverifizierung wird seitdem verpflichtend jede FSC-Warenbewegung dieser Produktgruppe in Europa an die Akkreditierungsstelle ASI, die weltweit agierende Kontrollstelle für FSC-Zertifizierungsorganisationen, übermittelt und durch diese abgeglichen. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde bereits 2017 bei 21 europäischen Holzkohleunternehmen das FSC-Zertifikat stillgelegt (über 8 Prozent der europäischen Verarbeitungsunternehmen mit FSC-Holzkohle im Zertifikat). In mehreren Holzkohle produzierenden Unternehmen kam es in den letzten 18 Monaten zu zusätzlichen z.T. auch unangekündigten Kontrollen durch ASI. Darüber hinaus wurde und wird seitens ASI seither gegen unterschiedliche Zertifizierungsorganisationen in diesem Zusammenhang ermittelt. Die Maßnahmen zur Absicherung der FSC-Lieferkette im Holzkohle-Markt gehen 2018 weiter. Bereits in diesem Frühjahr wurden durch FSC Deutschland über 30 Holzkohleprodukte von unterschiedlichen Händlern (online und stationär) zur weiteren Untersuchung und zur Bestimmung der enthaltenen Holzarten an spezialisierte Labore in Deutschland und den USA geschickt. Ergibt sich aus den Untersuchungen ein Verdacht auf Verstöße gegen den FSC-Standard, werden die Informationen an ASI für weitere Ermittlungen übergeben.

WWF Deutschland hat zahlreiche Holzkohlesäcke aus Testkäufen in Deutschland an das Thünen Institut, zur Bestimmung der Holzherkünfte, geschickt. Unter anderem wurden dabei in zwei FSC-zertifizierten Kohlesäcken Hölzer gefunden, deren Herkunft den Tropen oder Sub-Tropen zugeordnet wurde.

Die Bewertung dieser Herkunft in Grillkohle wird seitens WWF kritisch gesehen. Aus Sicht der FSC-Standards ergibt sich daraus jedoch alleine keinen Regelverstoß. Solange FSC-zertifizierte Wälder die gefundenen Arten, gleich welch regionaler Herkunft, bereitstellen können, kann es standardkonform sein, auch Holz aus tropischen FSC-zertifizierten Wäldern zu verkohlen. Der WWF Deutschland weist in seinem Bericht darauf hin und hebt hier auch ein Leuchtturm-Projekt der GIZ mit FSC-zertifizierter Holzkohle aus Namibia hervor.

FSC trifft als Zeichen für eine sozial und ökologisch verantwortungsvolle Waldwirtschaft zunächst immer nur eine Aussage über die Waldbewirtschaftung und über die regelkonforme Verarbeitung der zertifizierten Rohstoffe. Die Entscheidung darüber, zu welchem Produkt Holz aus einem zertifizierten Wald verarbeitet wird, betrachten die FSC-Regeln nicht. Diese Entscheidung obliegt dem jeweiligen Eigentümer des Rohstoffes. Als Vergleich: Es steht auch dem Schreinereibetrieb frei, aus seinem FSC-Holz einen Tisch, Stuhl oder Kochlöffel herzustellen.

Der Fund von tropischen oder subtropischen Holzarten in FSC-zertifizierten Holzkohlesäcken wirft jedoch auch intern Fragen auf, da dies auch ein Hinweis auf eine unerlaubte Beimischung von nicht zertifizierten Materialien sein kann. Daher hat FSC die Informationen des WWF Deutschland zum Anlass genommen diese der Akkreditierungsorganisation ASI zur weiteren Prüfung vorzulegen. Die Untersuchung der ASI zu den genannten Herstellern und deren Zertifizierungsorganisationen ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Erst nach Abschluss der Untersuchungen wird es ggf. zu Maßnahmen gegenüber den Unternehmen kommen, sollten diese nachweislich gegen die FSC-Standards verstoßen haben.

Im Rahmen der Policy for Assosiation (PfA) sind alle Partner des FSC verpflichtet, sich nicht an schwerwiegenden Vergehen im Zusammenhang mit Wald zu beteiligen. Werden dem FSC durch einen Beschwerdeführer Hinweise auf die Beteiligung eines zertifizierten Unternehmens an Verstößen gegen die PfA zur Kenntnis gebracht, wird die Einleitung eines entsprechenden Verfahrens durch FSC zunächst geprüft, bevor durch den FSC eine offizielle Untersuchung gegen ein Unternehmen eröffnet wird. Der Verstoß gegen die Regeln der PfA führen zum Ausschluss eines Unternehmens aus dem FSC-System.

Die meisten Fragen in Bezug auf FSC-zertifizierte Unternehmen bzw. Produkte, die in dem von WWF Deutschland und Das Erste aufgegriffen werden, sind bereits Gegenstand von Untersuchungen seitens der zuständigen Zertifizierungsorganisationen sowie ASI. Bei einigen aufgeworfenen Fragen bzw. Forderungen des WWF prüft der FSC, inwieweit es zu Anpassungen bzw. Konkretisierungen der FSC-Regeln für die Verarbeitungskette kommen muss.

FSC Deutschland verfolgt die weitere Bearbeitung der Fälle im Interesse unserer Partner und setzt sich für eine konsequente Anwendung der bestehenden FSC-Standards sowie ggf. für notwendige Präzisierungen ein. In diesem Sinne werden wir auch WWF Deutschland unterstützen, der sich in seiner Marktanalyse klar für die FSC-Zertifizierung bei Holzkohleprodukten ausspricht. Wir werden Sie hier und in unserem Newsletter gerne informieren, wenn sich zu den in der Dokumentation dargestellten Themen etwas Neues ergibt. Auf seiner nächsten Sitzung im August wird sich der internationale FSC-Vorstand ebenfalls mit dem Holzkohlemarkt und einer Verbesserung der Produktsicherheit in Bezug auf Herkunft bei FSC-Holzkohle befassen. Dabei wird er ggf. weitere Maßnahmen beschließen, um die Sicherheit bei FSC-Aussagen auf diesen Produkten zu verbessern.

Zur weiteren Erläuterung der Maßnahmen seitens FSC International finden Sie in der unten stehenden übersetzten Stellungnahme.



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