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Freitag, 11 September 2015
Bei Ausschreibungen auf der sicheren Seite: FSC-Zertifizierung für das Holzhandwerk

Berliner Senatsverwaltung setzt bei Beschaffung auf nachhaltiges Holz mit hohen Standards!


Die Wälder der Welt liefern uns den Rohstoff für viele Materialien, die eine Stadt und mit ihr ihre öffentliche Verwaltung braucht. Neben Papier wird vor allem Holz für die Gestaltung urbaner Räu-me wie Parks und Plätze, für den Bau von Gebäuden wie beispielsweise Kindergärten oder Schulen, für den Innenausbau, für Möbel oder kleinere Alltagsgegenstände gebraucht. Die Leistungsfähigkeit der Wälder der Welt Holz zu liefern, ist jedoch trotz ihres natürlichen Wachstums endlich. In diesem Bewusstsein achten viele öffentliche Verwaltungen darauf, dass Holz aus nachhaltig zerti-fizierten Wäldern kommt. Die Senatsverwaltung der Stadt Berlin wird in Ihren Anforderungen jetzt konkreter.

Hintergrund
Die Berliner Senatsverwaltung übernimmt die Vorreiterrolle bei der Nachhaltigkeit: Mit der neuen Verwaltungsvorschrift vom 23.10.2012 wurde festgelegt, dass nur noch Holz aus Wäldern beschafft werden darf, die auch nachvollziehbar und auf hohem Anspruchsniveau nachhaltig bewirtschaftet werden. Die Verwaltung hat dabei einen Standard als Untergrenze festgelegt, der sich in der Bewirtschaf-tung daran orientiert, was gemeinsam von Umweltverbänden, Waldbesitzern, der Wirtschaft und sozialen Gruppen auf Augenhöhe ausgehandelt und festgelegt wurde: der FSC-Standard.
Die betreffende Verwaltungsvorschrift (siehe Auszug im Kasten) verlangt deutlich, dass die nachhaltige Bewirtschaftung durch ein FSC-Zertifikat nachgewiesen werden muss. Alternativ wird auch ein vergleichbarer Nachweis akzeptiert, der belegen kann, dass die für das Herkunftsland geltenden FSC-Regeln eingehalten wurden.

Ausführende und liefernde Unternehmen können diesen Nachweis ganz einfach durch ein eigenes FSC-Produktkettenzertifikat (COC-Zertifikat) und die Deklaration mit einer FSC-Aussage erbrin-gen. Darüber hinaus akzeptiert das Land Berlin einen Einzelnachweis, der zwei Monate vor Ausfüh-rungstermin vorliegen und den folgenden Kriterien genügen muss:

  • Durchführung und Dokumentation der Wareneingangskontrolle des betroffenen Materials
  • Dokumentation des zeitlichen Bezugs der zertifizierten Holzpartie zum betroffenen Auftrag
  • Inhaltlicher Bezug zum betroffenen Auftrag, z. B. durch Nennung der Kommission (Nummer/ Kundenname) in der Auftragsbestätigung und in Lieferpapieren des Lieferanten bzw. Holzhändlers
  • Mengenmäßiger Bezug (Anzahl der Fixlängen, lfm, Fläche, Volumen usw.) zum konkreten Auftrag

Eine Kontrolle des Einzelnachweises kann durch eine von FSC oder PEFC zugelassene Zertifizie-rungsstelle durchgeführt werden. Alternativ: wie in der Bundesbeschaffungsrichtlinie vermerkt, durch das anerkannte und unabhängige Thünen Institut oder Bundesamt für Naturschutz. Ziel dieser unabhängigen Prüfung ist es die Gleichwertigkeit des vorgelegten Einzelnachweises gegen-über einem FSC-Zertifikat festzustellen.

Ausführende Betriebe
Insbesondere für Unternehmen, die sich regelmäßig an Ausschreibungen der Stadt Berlin beteili-gen, lohnt sich ein COC-Zertifikat, ähnlich einer Prä-Qualifikations-Prüfung nach VOB. Damit ent-fällt die Pflicht zum zeitaufwendigen Einzelnachweis pro Auftrag. Bei FSC-zertifizierten Betrieben prüft der Auftraggeber lediglich die Gültigkeit des Zertifikates und ob die Beschreibung des Produk-tes oder der Leistung unter den jeweiligen Geltungsbereich des FSC-Zertifikats fällt.

Wie können Betriebe ein FSC-Zertifikat erlangen?

1. Einzel-COC-Zertifizierung: Diese gilt üblicherweise für Organisationen mit einem einzigen Standort.
2. Multi-Site-COC-Zertifizierung wurde für die Zertifizierung größerer Unternehmen entworfen, die durch Eigentumsverhältnisse oder vertraglich miteinander in Beziehung stehen. Dies er-leichtert kosteneffizient eine Zertifizierung mehrerer Standorte mit zentraler Verwaltung.
3. Gruppen-COC-Zertifizierung ist für die Zertifizierung von kleinen, unabhängigen Unternehmen konzipiert. Diese erlangen in einer Gruppe einen besseren Zugang zur FSC-Zertifizierung in-dem sie die Kosten teilen und/oder von der technischen Unterstützung durch eine Zentrale profitieren.

Es gibt derzeit (Stand: 08.2015) folgende vier Gruppen in Deutschland: - Zertifizierungsgruppe Deutschland (Ulf Sonntag) – www.zgd.de - It’s Business Time (Nina Schröder-Bielen) – www.its-business-time.net - Meisterteam Hamburg – www.meisterteam.de - Gesamtverband Holzhandel – www.gdholz.de
Die Kosten einer Zertifizierung setzen sich aus den Kosten für die Zertifizierungsstelle und den FSC-Zertifikatsgebühren zusammen, die bei Gruppenmitgliedern i.d.R. unter 100 Euro liegen.

Finanzielle Unterstützung für die Zertifizierung
Einige Holzhändler (Stand: 07.09.2015) haben ihre Unterstützung für die Erstzertifizierung von ausführenden Unternehmen angekündigt:

  • Cross Trade GmbH - http://www.cross-trade.eu: neben individueller Information erstattet das Un-ternehmen 1.500 Euro als Zuschuss zu den Kosten bei Neuzertifizierung bei einem ersten Auftrag von mindestens 15.000 Euro.
  • Klöpferholz GmbH & Co. KG - www.kloepferholz.de: neben individueller Information wird ein Bei-trag zu den Zertifizierungskosten über ein umsatzabhängiges Bonussystem angeboten.
  • Röhnert Holzhandelsgesellschaft mbH – www.roehnert-holz.de: Das Unternehmen bietet an, die Erstzertifizierung von ausführenden Betrieben individuell zu unterstützen.
  • Unabhängig von der Unterstützung durch Lieferanten können Betriebe für eine FSC-Produktkettenzertifizierung im Rahmen des Markterschließungsprogramms für kleine und mittlere Unternehmen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (www.bafa.de), einen Zu-schuss beantragen.
  • Über Verbände und Innungen bestehen weitere Fördermöglichkeiten.

Weitere Unterstützung durch Information:
Eine Liste der FSC-Betriebe in und um Berlin wurde durch die Stadtverwaltung Berlin mit Stand vom 20.7.2015 auf www.stadtentwicklung.berlin.de veröffentlicht.

FSC Deutschland unterstützt jedes interessierte Unternehmen mit Informationen rund um die Zerti-fizierung sowie die Beschaffungsmöglichkeiten von FSC-Produkten. Hier finden Betriebe auch Unterstützung bei Fragen zum Marketing, den Einsatzmöglichkeiten der FSC-Warenzeichen sowie
den Anforderungen anderer Auftraggeber, etwa aus dem Bereich des nachhaltigen Bauens. Für Hilfestellungen und kostenlose Erstberatung ist die FSC Geschäftsstelle unter Tel.: 0761 38653 50 oder per E-Mail unter: info at fsc-deutschland point de erreichbar.

Fazit
Mit einem FSC-Zertifikat liegen ausführende Betriebe der Holzverarbeitung immer richtig und sind bei Ausschreibungen auf der sicheren Seite was die Nachweisführung für die Holzherkunft betrifft. Darüber hinaus trifft das Unternehmen eine zukunftsfähige Entscheidung. Die FSC-Zertifizierung ist bei Ausschreibungen nicht nur vollkommen kompatibel mit den Vorschriften der öffentlichen Beschaffung in Berlin, sondern auch mit denen des Bundes, anderer Länder, Bundesländer und Kommunen. Die FSC-Zertifizierung liegt auch für die Ansprüche anderer Kundengruppen für das Feld des nachhaltigen Bauens, wie private Bauherren oder im Objektbau, voll im Trend.

Die Berliner Beschaffungsrichtline im Wortlaut:

Aus Umweltgesichtspunkten ist die Beschaffung von Holz und Holzprodukten durch die öffentlichen Auftraggeber im Land Berlin nur vertretbar, sofern nachweislich gewährleistet ist, dass das Holz aus legaler und nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammt. Der Nachweis ist vom Bieter durch Vorlage eines Zertifikats von FSC oder durch einen gleichwertigen Nachweis in Form eines vergleichbaren Zertifikats oder durch Einzelnachweise zu erbringen. Vergleichbare Zertifikate oder Einzelnachweise sind anzuerkennen, wenn vom Bieter nachgewiesen wird, dass die für das jeweilige Herkunftsland geltenden Kriterien des FSC erfüllt werden.
(Quelle, Abschnitt I, Kapitel 4 der "Verwaltungs-vorschrift Beschaffung und Umwelt- VwVBU")
Weitere Informationen unter dem Weblink: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/service/gese […]

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Ihr Ansprechpartner
Ulrich Malessa
Telefon: 0761-386 5363
Email: ulrich.malessa at fsc-deutschland point de


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