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Donnerstag, 22 Januar 2015
Forstaudits in Canada im Vergleich: Stärken von FSC eindrucksvoll bestätigt, Vergleichssystem durchgefallen.


Die in den USA und Canada aktive Organisation ForestEthics hat in einer aktuell veröffentlichten Studie die Audits der gängigsten Waldzertifikate in Canada verglichen. Im Fokus der Studie stand dabei die Frage, wie und mit welcher Intensität werden Audits durch die Zertifizierer der jeweiligen Systeme abgehalten und welche Auswirkungen haben die Zertifikate damit auf die Bewirtschaftung im Wald und auf den Erhalt eines intakten Waldökosystems. Ausgewertet wurden die öffentlich zugänglichen Auditberichte der zwei größten Forstzertifizierungssysteme in Canada − FSC (Forest Stewardship Council) und SFI (Substainable Forestry Initiative) − über einen Betrachtungszeitraum von zehn Jahren. SFI ist das von PEFC International anerkannte Forst-Zertifizierungssystem für Nordamerika (USA und Canada).

Eindrucksvoll unterstreicht die Untersuchung die Überlegenheit des FSC-Zertifikates als glaubwürdiges und qualitativ anspruchsvolles Zertifikat für Forstwirtschaft. In allen geprüften Bereichen schneidet FSC dabei deutlich besser ab als das Zertifizierungssystem des SFI. Der Vorsitzende von ForestEthics Todd Paglia unterstreicht in einer Pressemeldung, dass SFI mit seinem Marketing und dem Versprechen nachhaltige Forstwirtschaft zu zertifizieren, Verbraucher wissentlich in die Irre führe. Schließlich erwarte der Käufer von zertifizierten Holzprodukten oder Papier, dass diese nicht im Zusammenhang mit  Naturzerstörung, Wasservergiftung, Menschenrechtsverletzungen und Artenverlust stehen.

Besonders positiv fiel das hohe Maß an Transparenz bei der FSC-Zertifizierung auf. Alle relevanten und auch kritischen Informationen zu Betrieb und Audit waren bei FSC frei zugänglich und standen vollständig der Öffentlichkeit zur Verfügung. Bei SFI fehlten bei mehr als der Hälfte aller Berichte wesentliche Informationen zum Audit und den forstlichen Maßnahmen der Betriebe. Außerdem fiel auf, dass nur bei einer sehr geringen Zahl der nach SFI-zertifizierten Forstbetriebe zusätzliche Maßnahmen ergriffen wurden, um künftig Rodungen und Holzernte nachhaltiger zu gestalten. Nach eigenen Angaben sind in Nordamerika 60 Millionen Hektar Wald durch SFI zertifiziert.

Im Vergleich der Audits zeigte sich, dass bei FSC-Betriebsprüfungen (Audits) in kanadischen Forstbetrieben viermal so viele Hauptabweichungen gefunden wurden und sogar sechsmal so viele Nebenabweichungen wie bei SFI. FSC-Auditoren veranschlagten und benötigten insgesamt die vierfache Zeit für die Auditierung von 100.000 Hektar Wald, im Vergleich zu ihren für SFI tätigen Kollegen auf derselben Fläche. Dabei wurden die Experten-Teams, welche die Audits durchführten, bei FSC-Audits im Durchschnitt mit 76 Prozent mehr Personal ausgestattet als bei SFI. Auch bei der Zusammensetzung der Teams wurde evaluiert, dass bei FSC-Auditoren offensichtlich ein ausgewogeneres Verhältnis an Experten aus unterschiedlichen Professionen eingesetzt wurde. Beim FSC waren diese Teams ausgewogen besetzt mit einer Mischung aus Forstleuten, Biologen, Vertretern der First Nation und anderen Fachleuten. Bei SFI waren Audit-Teams zu 75% aus Forstleuten besetzt.

Abschließend begutachteten die Experten von ForestEthics wie häufig durch Forst-Audits wirkliche Veränderungen in der Waldbewirtschaftung und beim Erhalt natürlicher Ökosysteme erreicht werden konnten. Klar lässt sich aus dem Vergleich ableiten, dass die FSC-Zertifizierung strenger und im positiven Sinne wirkungsvoller ist sowohl für das Ökosystem als auch für soziale Belange. Die Glaubwürdigkeit der SFI-Waldzertifizierung wurde daher von den ForestEthics Experten erheblich in Frage gestellt.

Unterm Strich konnte nur die FSC-Zertifizierung überzeugen und unterstreicht damit dem internationalen Anspruch des FSC, für eine substanzielle Verbesserung in der Waldbewirtschaftung zu stehen. Beim SFI-Standard handelt es sich hingegen, ähnlich wie beim Deutschen PEFC-Standard, um einen Eigenstandard der nordamerikanischen Holz- und Forstindustrie, der Betrieben nur geringe Sozial- und Umweltstandards über bestehende Gesetzte hinaus abverlangt. Der SFI-Standard erlaubt beispielsweise den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen, die Vertreibung von indigenen Völkern, die Einschränkung von Arbeitnehmerrechten, die Umwandlung von Naturwäldern in Plantagen und den großflächigen Einschlag in uralte, wertvolle Waldgebiete, die der Erde damit unwiederbringlich verloren gehen.

ForestEthics hat eine zusammenfassen Übersicht zu den wesentlichen kritischen Punkten des SFI-Standards veröffentlicht
(Link: http://www.forestethics.org/sustainable-forestry-i […]).
Den gesamten Report von ForestEthics finden Sie hier: http://www.forestethics.org/downloads/january-15-2 […] und den Newsartikel dazu finden Sie unter: http://www.forestethics.org/news/new-report-finds- […].


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