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Freitag, 10 September 2021
Jetzt auf YouTube: Die zweite Runde des FSC-Politik-Talks

FSC-Politiktalk

Wenige Tage vor der Bundestagswahl sind ist jetzt auch die zweite Runde des FSC-Politik-Talks zum Nachschauen auf dem YouTube Kanal von FSC Deutschland verfügbar. Jeweils eine Stunde diskutierten Dr. Christoph Hoffmann (FDP) und Dr. Kirsten Tackmann (LINKE) mit Dirk Riestenpatt, Vorsitzender des FSC Deutschland, über ihre Vorstellungen hinsichtlich der Ausgestaltung von Wald- und Forstpolitik in Deutschland.


Wie auch in den Diskussionen mit Alois Gerig (CDU) und Harald Ebner (Bündnis 90/ Die Grünen) ging es dabei unter anderem um die Frage, ob die finanzielle Förderung von Waldbesitzenden an bestimmte Kriterien geknüpft werden sollte. Hierbei wies Dr. Hoffmann auf die grundsätzlich kritische Haltung der Freien Demokraten gegenüber Subventionen hin, da diese Auslöser für Marktverzerrungen und ein Anwachsen der Bürokratie seien. Dennoch räumte er ein, dass die Situation im Falle des Waldes eine andere sei, und forderte, Eigentümer, die von negativen Effekten des Klimawandels betroffen sind, finanziell zu entschädigen. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass sich die FDP gegen eine Flächenprämie ausspricht, da diese keiner Leistung entgegenstünde. Stattdessen plädierte er dafür, Waldbesitzende konkret für die Leistung, die sie für die CO2 Speicherung erbringen, zu entschädigen. Dabei betonte er, dass ein bewirtschafteter Wald einen positiveren Effekt für die CO2 Leistung bringe, als ein Wald, der nicht genutzt werde. Auf die Nachfrage, ob Kriterien wie der Erhalt oder die Förderung von Biodiversität oder der Wasserspeicherfähigkeit auch im Zusammenhang mit einer Förderung stehen sollten sagte er: „Man kann die Förderung mit solchen Kriterien natürlich noch weiter verästeln, aber ich bin der Meinung, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren sollten und das ist die CO2 Speicherung. Die Biodiversität wird ja auch maßgeblich davon beeinflusst, ob wir viel CO2 speichern oder nicht.“

Dr. Kirsten Tackmann machte hingegen klar, dass die LINKE bei der finanziellen Förderung von Waldbesitzenden deutlich über eine Vergütung von CO2 Leistungen hinaus gehen und auch Variablen wie beispielsweise das Engagement für die biologische Vielfalt und die Grundwasserneubildung einfließen lassen möchte. Ihr Grundsatz: „Die Qualität dessen, was geleistet wird, muss Auswirkungen auf eine Förderung haben.“ Gleichzeitig gab sie zu bedenken, dass die Politik zwischen dringend notwendiger Soforthilfe, bei der die Hürden nicht zu hoch sein dürften, und strategischen und langfristigen Unterstützungen, bei denen berücksichtigt werden müsste, inwiefern im betroffenen Wald Ökosystemdienstleistungen hervorgebracht werden, unterscheiden sollte. Außerdem forderte sie, den Status Quo zu berücksichtigen. Waldbesitzende, die bereits relativ viel für den Wald getan hätten, dürften bei den Prämien nicht schlechter dastehen als Waldbesitzende, die bisher nicht viel geleistet hätten und somit vergleichsweise leicht zusätzliche Leistungen erbringen können.

Neben der Frage nach der finanziellen Förderung von Waldbesitzenden wollte Dirk Riestenpatt die Haltung seiner Gesprächspartner gegenüber der nationalen Biodiversitätsstrategie, die unter anderem eine Stilllegung von 5% der Waldflächen vorsieht, wissen. Dr. Tackmann erklärte daraufhin, dass die LINKE den Ansatz der Biodiversitätsstrategie unterstützt, da so beispielsweise Erkenntnisse darüber gewonnen werden könnten, wie sich stillgelegte Flächen langrfistig entwickeln. Dennoch kritisierte sie, dass die Regelung teilweise zu formalistisch angewandt würde und wünschte sich in diesem Zusammenhang mehr Flexibilität und einen Fokus auf Qualität anstelle von Quantität. Anders die Haltung der FDP: „Meine Partei sieht diesen Ansatz kritisch, weil wir nicht glauben, dass in Zeiten eines dramatisch fortschreitenden Klimawandels die erste Priorität sein sollte, Waldflächen stillzulegen“, sagte Dr. Hoffmann.

Der Politik-Talk zeigte trotz aller inhaltlichen Differenzen zwischen den Parteienvertretern, dass sowohl Dr. Hoffmann als auch Dr. Tackmann einer strikten Beschränkung nicht-heimischer Baumarten skeptisch gegenüberstehen. Dr. Hoffmann sagte zu dem Thema: „Wir sind derzeit in einer Phase des Klimawandels, in der ich mir nicht sicher bin, ob wir mit einer Begrenzung von 20 % [wie sie der derzeitige FSC-Standard vorsieht] hinkommen. Es ist ja nicht klar, wie sich das Klima entwickeln wird. Dass es wärmer wird ist klar, aber wir wissen beispielsweise nicht, wie sich Niederschläge oder Frost- und Winterperioden verhalten werden.“ Außerdem wies er auf die Eigentümerrechte der Waldbesitzenden hin, die, nach Auffassung der FDP, ihre Flächen – im Rahmen der Forstgesetzgebung - nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten können sollten. Dr. Tackmann erklärte dazu, dass sie ursprünglich immer davon ausgegangen sei, die Natur könne sich selber helfen und dass es besser sei, die biologische Vielfalt zu unterstützen, anstatt permanent nach neuen Ansätzen zu suchen. Wir befänden uns aber nun in einer Situation, in der selbst Baumarten unter Druck gerieten, bei denen man das vor fünf Jahren noch nicht geglaubt habe. Aus diesem Grund plädierte sie dafür, bei der Anpflanzung von nicht standortheimischen Baumarten mehr Flexibilität zuzulassen, warnte jedoch gleichzeitig vor Aktionismus.

Ein weiteres kontrovers diskutiertes Thema des FSC-Politik-Talks war beispielsweise die Frage nach den möglichen Unterschieden zwischen Zertifizierungssystemen wie FSC, Naturland und PEFC. Alle vier Diskussionen des Politik-Talks finden Sie in voller Länge zum Nachschauen auf dem YouTube-Kanal des FSC Deutschland.

FSC-Politik-Talk mit Alois Gerig (CDU)
FSC-Politik-Talk mit Harald Ebner (Bündnis 90/ Die Grünen)
FSC-Politik-Talk mit Dr. Christoph Hoffmann (FDP)
FSC-Politik-Talk mit Dr. Kirsten Tackmann (LINKE)


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