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Ausgabe 2010-03 - 03. März 2010


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Stellungnahme der FSC Arbeitsgruppe Deutschland e.V. zum Bericht „Die Label Lüge – FSC Zertifikat als Türöffner für Regenwaldabholzer“ von Rettet den Regenwald im Regenwald Report 01/2010
Datum: 03. März 2010
Quelle: FSC Arbeitsgruppe Deutschlad e.V.
Kategorie:    Hintergrund
Autor: Erika Müller

Die Organisation Rettet den Regenwald e.V. berichtet in seinem Magazin Regenwald Report (01/2010) über den FSC und die Vermarktung von Tropenholz mit Zertifikat. Rettet den Regenwald e.V. wirft dem FSC mangelnde Glaubwürdigkeit, Transparenz und Wirksamkeit vor, wenn es darum geht Regenwälder vor der Abholzung zu bewahren und beschreibt den FSC als Hintertürchen für Greenwashing von Unternehmen.
Mit untenstehender Stellungnahme vom 24.02.2010 sollen die Vorwürfe von Rettet den Regenwald gegen den FSC kommentiert und richtig gestellt werden.

Der FSC versucht Schutz- und Nutzungsaspekte im Wald nachhaltig zu vereinen
Rettet den Regenwald e.V. behauptet, dass Holznutzung der Hauptverursacher der Regenwaldzerstörung sei und dass der FSC in tropischen Wäldern keine Wirkung hätte.
Seit seiner Gründung ist der FSC konfrontiert mit Kritik von einigen Umweltschützern, die sich für den Totalschutz großer Waldregionen einsetzen. An vielen Einzelpunkten wird der FSC angegriffen, weil er grundsätzlich eine Nutzung von Wäldern zulässt.
Holznutzung in Wäldern verändert die Waldgebiete, dadurch verändern sich ehemals vom Menschen unberührte Gebiete. Im Extremfall kommt es zur Vernichtung wertvoller Waldgebiete. Grund für die Zerstörung ist häufig das Wechselspiel zwischen der Nutzung und Erschließung von Waldgebieten durch Konzessionäre, durch nicht-nachhaltige oder gar illegale Waldnutzungen. Dazu kommen ungeregelte Nutzungen durch die einheimische Bevölkerung (Wanderfeldbau, Brandrodung etc.). Dieser großflächige Raubbau ist ein ernstes Problem. Der langfristige Erhalt von Tropenwäldern ist jedoch nicht nur aus Klima- und Artenschutzgründen existentiell wichtig, sondern auch aus ethischen und sozialen Beweggründen heraus.
Die FSC Arbeitsgruppe Deutschland e.V. unterstützt in diesem Zusammenhang die Aussage von Rettet den Regenwald e.V., dass freiwillige und private Zertifizierungsinstrumente allein nicht ausreichen, um diese Abholzung zu stoppen. Dennoch ist der FSC nicht der Auffassung, dass sich durch einen reinen Totalschutz großer Waldregionen ein langfristiger Schutz wertvoller Waldflächen erreichen lässt. Im Gegenteil - in vielen Fällen konnte durch eine FSC-Zertifizierung die verantwortungsvolle Bewirtschaftung und der Erhalt von tropischen Wäldern überhaupt erst garantiert und geprüft werden .

Der FSC ist Plattform für unterschiedliche Akteure
Zur Lösung der Herausforderungen unserer Zeit an einen wachsenden weltweiten Rohstoffbedarf im Kontext weltweiter Warenströme und einer häufig verarmten Landbevölkerung in weniger entwickelten Gebieten hat der FSC Regelungen für eine ökologische und sozial gerechte Waldbewirtschaftung geschaffen. Zentrales Anliegen des FSC ist das Ausbalancieren von Schutz- und Nutzungsaspekten in Wäldern, mit dem Ziel, dass diese Wälder langfristig erhalten bleiben. Totalschutz von Wald wird hierbei als ein Teilinstrument auf Teilflächen gesehen und nicht als nachhaltige Gesamtlösung. Der ausschließliche Totalschutz ganzer Regionen zum Schutz dieser Waldgebiete ist aus Sicht des FSC und seiner Unterstützer in der Realität nicht umzusetzen.

Der FSC versteht sich als Plattform, auf der Vertreter mit unterschiedlichen Interessen am Wald zusammenkommen und einen Konsens über verantwortungsvolle Waldwirtschaft finden können. Aus diesem Konsens heraus werden Bewirtschaftungsstandards entwickelt und Mechanismen für die Vermarktung von entsprechend erzeugten Waldprodukten abgeleitet. Der FSC ist also keine Umweltschutzorganisation, dennoch finden sich innerhalb der FSC-Richtlinien viele Regeln, die speziell den Erhalt der Biodiversität sowie den Schutz sensibler Arten und Ökosysteme einfordern. Die Aussage von Rettet den Regenwald e.V., der FSC sei von Wirtschaftsinteressen dominiert ist jedoch schlichtweg falsch. Bei Abstimmungen innerhalb des FSC haben Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftsinteressen immer gleiches Stimmengewicht.

Der FSC prüft transparent
Möglicherweise stimmt es, dass die Waldpolitik großer Waldkonzessionäre in der Vergangenheit immer wieder zu Kontroversen geführt hat. Fakt ist, dass bei zahlreichen großen Waldkonzessionären v.a. in Afrika eine Wende stattfindet und sie ihre Bewirtschaftung mit enormem finanziellem und logistischem Aufwand umstellen. Die FSC-Zertifizierung dokumentiert diesen Prozess und sichert Abnehmern weltweit, dass den Ankündigungen Taten folgen.
Im Rahmen der FSC-Zertifizierung, in der zertifizierte Betriebe jährlich vor Ort überprüft werden, ist somit über klar festgelegte Managementpläne definiert, welche Bäume in welchem Umfang genutzt werden dürfen und wo die Grenzen der Nutzung liegen. Umwelt- und Sozialstandards setzen der Bewirtschaftung hier klare Grenzen. Im Unterschied zu zahlreichen anderen Zertifizierungsansätzen kann ein Betrieb erst Holz mit FSC-Siegel vermarkten, wenn eine Überprüfung erfolgreich stattgefunden hat. Eine zunehmende Zahl an Beispielen weltweit belegt, dass sich durch die FSC-Zertifizierung auch eine Wertschöpfung für die lokale Bevölkerung erreichen lässt und so ein langfristiger Mechanismus zum Erhalt von Waldgebieten geschaffen wird.

FSC schafft Transparenz
Bei jedem Zertifizierungsvorgang wird ein Zertifizierungsbericht erstellt, der jährlich fortgeschrieben wird und öffentlich verfügbar ist. Grundlagen der Zertifizierungsentscheidungen und erfolgte Korrekturmaßnahmen vor Ort können somit von jedermann nachvollzogen werden. Systeme mit vergleichbar hoher Transparenz und Anforderungen existieren auf anderen Sektoren derzeit weltweit nicht. Auftretende Konfliktfälle im Rahmen von Zertifikaten werden bei Kenntnis korrigiert oder führen zu einem Zertifikatsentzug bei den entsprechenden Unternehmen.
Nicht nur die FSC-Standards selbst und das hohe Maß an Transparenz dokumentieren die Glaubwürdigkeit des FSC weltweit. Nach wie vor sind weltweit alle großen Umweltorganisationen, sowie Gewerkschaften und Vertreter indigener Völker im FSC organisiert und unterstützen diesen. Diese Organisationen fördern den FSC hierbei als wichtiges Instrument, um Forderungen nach Sozial- und Umweltstandards überprüfbar in die Umsetzung zu bringen.

Der FSC ist kritikfähig und arbeitet an sich
Ein großer Teil der gegen den FSC vorgebrachten Kritik hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass Regelungen verbessert wurden und der FSC sich heute als funktionierendes System für fast alle Produktbereiche vom Papier bis zu forstlichen Nebenprodukten versteht.
Ebenso reagierte der FSC in der Vergangenheit auf die Kritik in Zusammenhang mit Plantagen. Auch hier steht der FSC für den Grundsatz Schutz- und Nutzungsaspekte zu vereinen und die Bewirtschaftung von Plantagen nachhaltig zu gestalten. Dahinter steht die Überzeugung von FSC-Mitgliedern, dass der weltweite Rohstoffbedarf nach Holz und Papier ohne Plantagen überhaupt nicht mehr zu befriedigen wäre und der Nutzungsdruck auf Naturwälder noch weiter steigen würde.
Die wichtigste Lösung ist sicherlich ein konsequentes und ernst gemeintes Einsparungsverhalten für Produkte aus entsprechenden Wirtschaftsweisen. Ein weiterer Lösungsansatz ist der direkte Einfluss auf die Bewirtschaftung von Plantagen selbst und die Kennzeichnung entsprechender Produkte. Diesen Weg begleitet der FSC.
Dennoch ist der FSC kein Plantagenzertifikat. Derzeit werden etwa 8,5 Mio. Hektar Plantagen nach FSC-Prinzipien bewirtschaftet, das sind 7% der insgesamt 123 Mio. Hektar Wald, die derzeit weltweit nach dem FSC-Standard zertifiziert sind. Zertifizierte Tropenwälder machen dabei einen Anteil von 13% aus.

Tropenholz contra einheimisches Holz
Die Frage bleibt, ob eine Kommune zertifiziertes Tropenholz einsetzen sollte oder auf einheimische Hölzer zurückgreifen muss. Das bisher Gesagte macht deutlich, dass der Konsum von FSC-zertifiziertem Holz unweigerlich positive Wirkungen in tropischen Wäldern hat und dieser Nachfrageimpuls ein wichtiges Instrument ist, wenn die Forderungen nach mehr nachhaltiger Nutzung tropischer Wälder umgesetzt werden soll.
Aussagen zur CO2-Belastung durch den Transport tropischer Hölzer sollten nur auf Grundlage von konkreten Fakten und einer genauen Analyse erfolgen. Pauschalaussagen sind hier nicht zielführend, unseriös und häufig falsch. Oft konkurrieren tropische Hölzer, die lange Schifftransporte mit nur geringen CO2-Belastungen aufweisen mit „einheimischen“ Hölzern, die durch LKW-Transporte mit hoher CO2-Belastung lange Wege innerhalb Europas oder Russlands zurückgelegt haben.

Fazit
Die FSC Arbeitsgruppe Deutschland e.V. begrüßt und unterstützt die bisherige Entscheidung der Stadt Nürnberg für einen Einsatz von tropischen Hölzern mit FSC-Zertifikat, weil sie eine gesunde Balance zwischen Kosten und negativen Auswirkungen darstellt. Zudem wird durch die Nachfrage nach FSC-zertifiziertem Holz aus Afrika ein entscheidender Impuls für mehr Nachhaltigkeit in Afrika ausgesprochen und unmittelbar weitergegeben.
Den FSC als Label-Lüge zu bezeichnen ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar und entbehrt jeglicher Grundlage. Durch die Zertifizierung der Waldbewirtschaftung und nachgelagerten Verarbeitungsschritten wird für den Verbraucher sichtbar, welches Produkt aus ökologisch und sozial verträglicher Waldnutzung stammt. Nur so wird für den Verbraucher eine Unterscheidungsmöglichkeit geschaffen.
Die FSC Arbeitsgruppe wünscht sich in Zukunft einen sachlich richtigen und unemotionalen Umgang mit Zahlen und Fakten zu diesem Thema. Polemische Aussagen und Fehlinformationen ohne klare Handelsalternativen in Bezug auf Erhalt tropischer Regenwälder sind nicht zielführend. Im Gegenteil sie schaden den Menschen und Wäldern vor Ort.


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