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Ausgabe 2010 - 01 - 14. Januar 2010
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Nachhaltige Beschaffung in Kommunen und Unternehmen hat Vorbildcharakter |
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Datum: |
14. Januar 2010 |
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Quelle: |
FSC Arbeitsgruppe Deutschland e.V., Umweltdialog.de |
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Kategorie: |
Beschaffung |
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Autor: |
Erika Müller |
Jedes Jahr geben europäische Kommunen etwa 16% des europäischen Bruttoinlandprodukts für die Anschaffung von Gütern wie Büroausstattung, Transportfahrzeugen und Dienstleistungen aus. Öffentliche Beschaffung kann deshalb einen enormen Einluss auf Trends in der Produktion und im Konsum haben, wenn sich die Beschaffer ihrer Verantwortung als Großkonsument bewusst werden. Die bedeutende Nachfrage öffentlicher Haushalte nach „grünen“ Produkten schafft Märkte für umwelt- und sozialfreundliche Produkte. Ebenso können dadurch Anreize für Unternehmen geschaffen werden, umweltfreundliche Technologien zu entwickeln.
Die europäische Kommission sowie andere Institutionen sehen in der umweltfreundlichen Vergabe ein wirksames und zunehmend wichtigeres Instrument zur Förderung des Umweltschutzes. Auch die deutsche Vergaberechtslage hat sich dieser Sichtweise angeschlossen und lässt mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Modernisierung des Vergaberechts durch Bundestag (19.12.2008) und Bundesrat (13.2.2009) die Einbindung ökologischer und sozialer Kriterien (sogenannter vergabefremder Aspekte) grundsätzlich zu.
Die FSC Arbeitsgruppe begrüßt diese Entwicklung, da die nachhaltige Beschaffung von Holz und Holzprodukten ein enormes Potential in sich birgt. Um diesen Markt zu stimulieren und Kommunen die Beschaffung von Holz-, Papier und Printprodukten aus FSC-zertifizierten Wäldern zu erleichtern und ihnen somit die nachhaltige Waldbewirtschaftung ein Stück näher zu bringen, wurde eine FSC-Beschaffermappe 2010 an 4000 öffentliche Beschaffer verschickt. Die Mappe enthält einen Leitfaden, der Kommunen und Beschaffungsstellen helfen soll, zertifizierte Holz- und Papierprodukte in ihrer Beschaffung besser zu integrieren. Diesem Leitfaden liegt ein Produktkatalog bei, der Anzeigen von engagierten FSC-zertifizierten Unternehmen enthält. Den Leitfaden für die öffentliche Beschaffung von zertifizierten Hölzern, können Sie auf unserer Homepage herunterladen. Weitere Informationen zur Beschaffermappe sowie zu Informationsveranstaltungen zum Thema erhalten Sie in der Geschäftsstelle.
 Der Dachstuhl des Hamburger Michels wurde mit FSC-zertifiziertem Holz renoviert. Bild: Zimmerei Augustin
Aber auch für Unternehmen ist die nachhaltige Beschaffung interessant wie eine aktuelle Studie des Kerkhoff Competence Center of Supply Chain Management (KCC) der Universität St.Gallen und des Instituts für Demoskopie Allensbach zeigt. So sind für 79 Prozent der Entscheider aus der Nahrungs-, Textil- und Möbelindustrie ökologische Standards sehr wichtig, in der Metallindustrie und im Maschinenbau sind es nur 50 Prozent.
"Konsumenten fragen immer stärker nachhaltige Produkte nach", sagt Jens Hornstein, Partner und Leiter des Kompetenzteams Nachhaltige Beschaffung von Kerkhoff Consulting. "Darum ist es nicht verwunderlich, dass diese Branchen der Nachhaltigkeit eine höhere Bedeutung beimessen. Aber auch in den anderen Branchen wird der Druck für soziale und ökologische Standards künftig steigen, selbst wenn sie nicht an Endverbraucher liefern. Denn sie sind teil einer anderen Wertschöpfungs- und Lieferkette, die irgendwann beim Endverbraucher ankommt und zukünftig in ihrer Gänze auf Nachhaltigkeitsfaktoren untersucht wird."
Diese These wird von der Studie gestützt: 45 Prozent der Befragten haben angegeben, dass für ihre Kunden, sowohl Endverbraucher als auch andere Unternehmen oder Behörden, Öko-Labels bereits heute wichtig oder sogar sehr wichtig sind. "Um diese Labels zu erhalten, muss die gesamte Lieferkette geprüft werden - bis hin zum Abbau der Rohstoffe in Märkten der Dritten Welt oder der Schwellenländer", sagt Hornstein. "Da gesetzliche Bestimmungen, vor allem initiiert durch die Europäische Kommission, noch verschärft werden, können sich Unternehmen ihrer Verantwortung nicht mehr entziehen." Heute haben noch 42 Prozent der befragten Unternehmen keinen einzigen Mitarbeiter ständig in den Regionen vor Ort, aus denen sie ihre Rohstoffe beziehen. Nur 15 Prozent der Unternehmen tragen Sorge, dass in allen Regionen ein ständiger Ansprechpartner vorhanden ist.
"Nachhaltigkeit ist heute kein Thema mehr ausschließlich für Sozialromantiker oder Grüne, die es in die Chefetagen geschafft haben", sagt Dr. Erik Hofmann von der Universität St. Gallen. 76 Prozent der befragten Unternehmen haben angegeben zu Handeln, weil neue gesetzliche Regelungen sie dazu zwingen. Veränderte Kundenwünsche waren für 69 Prozent der Anlass das Thema Ökologie und Soziale Standards in der Beschaffung zu berücksichtigen. Nur knapp ein Viertel handelt nach eigener Aussage aufgrund eines eigenen Wertesystems und der Firmenphilosophie "grün". "Aber was auch immer die Motivation für Handeln sein mag", sagt Hofmann, "entscheidend ist, dass die Notwendigkeit zum Handeln da ist. Wenn dies auch noch zu Wettbewerbsvorteilen führt, ist damit auch ein ausreichender Anreiz geschaffen, um sich möglichst frühzeitig mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander zu setzen und dem Markt voraus zu sein." |
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