Drucken

Waldrestholznutzung

Bei der Streunutzung wurden jahrhundertelang Nadeln, Blätter und Feinreisig als Einstreu in die Ställe genutzt. Aus diesem Material konnte kein Humus im Wald mehr entstehen, somit war der Nährstoffkreislauf unterbrochen und die Böden verarmten. Der Oberboden versauerte in vielen Gegenden und die Bäume reagierten mit verminderter Wuchsleistung. Die Vegetation änderte sich mit der Zeit, Vergrasung nahm zu und bestimmte Baumarten konnten sich nur mehr sehr schwer natürlich verjüngen. Insgesamt waren die Auswirkungen auf den Wald dramatisch, weshalb die Streunutzung schließlich eingestellt und verboten wurde.

Heutzutage findet wieder in vielen Wäldern die moderne Form der Streunutzung statt – die energetische Nutzung von schwachem Astmaterial, Kronen und Nadeln. Das liegt daran, dass sich dieses sog. „Waldrestholz“ mittlerweile gewinnbringend vermarkten lässt. Aufgrund gestiegener Öl- und Gaspreise ist nicht nur Brennholz als Scheitholz für den heimischen Kachelofen, sondern auch das aus dem Waldrestholz erzeugte Hackgut im Preis konkurrenzfähig. Die Nachfrage nach den sog. Hackschnitzeln (gehacktes Waldrestholz oder Holz aus der Landespflege) und Pellets (aus gepresstem Sägerestholz oder sehr feinem Hackgut) nimmt stetig zu. Äste und Kronen, die bisher häufig im Wald belassen wurden,  Lebensraum für viele Tiere waren und für den Nährstoffnachschub des Bodens gesorgt haben, werden heute wieder vermehrt genutzt.

Aus FSC-Sicht ist diese Entwicklung sehr kritisch zu betrachten. Die Folgen für den Wald sind langfristig häufig nicht abschätzbar, entsprechende Gutachten fehlen oder sind zu wenig auf den jeweiligen Waldstandort fokussiert. Die Gefahr, dass der Wald durch den Nährstoffentzug langfristig geschädigt wird, ist groß. Vor dem Hintergrund, dass alljährlich die Ergebnisse der Waldschadensinventur alarmierend sind, der Deutsche Wald also nach wie vor krank ist (auch wenn das der Laie nicht sieht), sollte man, wenn überhaupt, nur aufgrund spezieller fachlicher Gutachten Waldrestholz nutzen.

In FSC-Wäldern findet die Nutzung von Waldresthölzern nicht statt. Es ist möglich, dass dieses strikte Verbot in den nächsten Jahren gelockert wird. Dies wird aber erst dann geschehen, wenn aussagekräftige Planungsgrundlagen für die verantwortungsvolle und sanfte Nutzung von Waldrestholz vorliegen.

Mit im Wald verbleibenden Kronen und Ästen von Fichten ergibt sich u.U. ein Waldschutzproblem. Hier brüten, ähnlich wie im frischen gelagerten Holz, Borkenkäfer, die für das stehende Holz gefährlich werden können. Dieses Material kann entweder verbrannt werden, was angesichts der CO2-Freisetzung wenig sinnvoll ist, oder mit einer großen Maschine im Wald gehackt werden. Das Hackgut hat in diesem Fall aber im Wald zu verbleiben.

 
facebook    twitter