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Information zu wichtigen Inhalten des neuen Deutschen FSC-Standards 3.0

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen zentrale Themen des überarbeiteten Deutschen FSC-Standards vor. Alle Angaben beziehen sich auf den Deutschen FSC-Standard Version 3.0, wie er von den FSC-Mitgliedern am 28.6.2016 verabschiedet wurde. 

Themenübersicht:

  1. Orientierung an der natürlichen Waldgesellschaft
  2. Heimische bzw. nicht-standortheimische Baumarten
  3. Forstlich nicht genutzte Flächen
  4. Schematische Hiebsverfahren (u.a. Kahlschlag)
  5. Anerkennung forstlicher Lohnunternehmerzertifikate
  6. Motorsägenqualifikation
  7. Motorsägenqualifikation
  8. Abstand von Rückegassen
  9. Sonstige Themen

 

1. Orientierung an der natürlichen Waldgesellschaft (Deutscher FSC-Standard 3.0, Version 15.6.2016, 10.0 ff)

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die natürliche Waldgesellschaft bleibt das Ziel forstlichen Wirtschaftens im FSC-Wald.
  • Von großer Bedeutung ist die neu gefasste Definition von „natürlicher Waldgesellschaft“.

Eine der wichtigsten Regelungen im Deutschen FSC-Standard ist der Indikator, der das Ziel waldbaulichen Handelns vorgibt (im aktuellen Standard noch unter  6.3.1). Dieses Ziel soll weiterhin bestehen bleiben: „Waldbauliche Pflege- und Nutzungsstrategien orientieren sich an der Baumartenzusammensetzung, Dynamik und Struktur der natürlichen Waldgesellschaft und haben zum Ziel, standortgerechte, naturnahe Waldbestände zu erhalten und zu entwickeln. (…).“ (Kriterium 10.0)

Es ergeben sich aber wichtige  Änderungen. Die Definition der „natürlichen Waldgesellschaft“, an der sich das waldbauliche Handeln orientiert, wurde überarbeitet, da die bisherige in Zeiten des Klimawandels und aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht mehr zeitgemäß war. Es fand eine Öffnung statt, die nun mehr Dynamik ermöglichen soll. Die natürliche Waldgesellschaft gilt fortan als diejenige, die sich unter den gegebenen standörtlichen Bedingungen einstellen würde und aus heimischen, also in Deutschland natürlich vorkommenden Baumarten, besteht.

Um die Prüfbarkeit dieses Aspektes zu gewährleisten, sollen die Forstbetriebe als Grundlage für waldbauliche Pflege- und Nutzungsstrategien Waldentwicklungstypen bzw. Betriebszieltypen beschreiben, die u. a. Baumartenzusammensetzung, Dynamik und Struktur der natürlichen Waldgesellschaft enthält.

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2. Heimische bzw. nicht-standortheimische Baumarten (Deutscher FSC-Standard 3.0, Version 15.6.2016, 10.3.2 ff)

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Begriff „nicht-standortsheimisch“ wird im kommenden Standard nicht mehr verwendet. Vielmehr soll unterschieden werden zwischen „heimisch“ und „nicht-heimisch“.
  • Zukünftig soll der Anteil nicht-heimischer Baumarten auf Ebene des Forstbetriebs max. 20% betragen.

Im neuen Standard wird der Terminus „nicht-standortsheimisch“ nicht mehr verwendet. Vielmehr wird unterschieden zwischen „heimischen“ und „nicht-heimischen“ Baumarten. (neue Indikatoren 10.3.2 und 10.3.3). Heimisch im Sinne des Standards sind alle Baumarten der natürlichen, nacheiszeitlichen Waldentwicklung in Deutschland. Nicht-heimische Baumarten dürfen zu maximal 20% einzel- bis horstweise eingebracht werden, der Forstbetrieb ist angehalten, hierzu waldbauliche Konzepte zu entwickeln.

In Wäldern mit besonderen Schutzwerten gelten eigene Regeln. So: In kartierten FFH-Lebensraumtypen sollen nicht-standortsheimische Baumarten unabhängig vom FFH-Managementplan langfristig nicht toleriert und auf 0% zurückentwickelt werden. Davon ausgenommen sind die Buchenwaldlebensraumtypen, wenn nicht ausschließlich lebensraumtypische Baumarten vorkommen. In diesen Bereichen kann der Status Quo, also der Anteil nicht-lebensraumtypischer Baumarten zum Zeitpunkt der Zertifizierung bis zu einer Höchstgrenze von 10% gehalten werden.

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3. Forstlich nicht genutzte Flächen (Deutscher FSC-Standard 3.0, Version 15.6.2016)

Das Wichtigste in Kürze

  • Zukünftig weisen öffentliche Forstbetriebe „Naturwaldentwicklungsflächen“  mit dem Fokus Naturschutz nach. Der Bundes- und Landeswald weist 10%, Kommunalwald ab 1000 ha 5% der Fläche nach
  • Private und öffentliche Forstbetriebe < 1000 ha weisen „Naturwaldentwicklungsflächen“ dann nach, wenn diese dafür einen angemessen finanziellen Ausgleich durch Dritte erhalten.
  • Öffentliche Forstbetriebe ab 1000ha wählen aus den „Naturwaldentwicklungsflächen“ Flächen aus, die als „Lern- und Vergleichsflächen“ dienen.

Die Diskussion darum bewirtschafteten Wald aus der Nutzung zu nehmen ist eines der forstpolitischen Topthemen der letzten Jahre. Bisher kannte der FSC sog. „Referenzflächen“ die primär als Lernflächen dienten und deren Naturschutzfunktion eher zweitrangig war. FSC Deutschland unterscheidet zukünftig zwischen zwei Funktionen: Einerseits dienen nicht-forstlich genutzte Flächen Naturschutzzwecken, andererseits sollen entsprechende Flächen auch Grundlage für waldbauliches Lernen sein. Diese sind von menschlichen Eingriffen ungestört (ausgenommen Jagd und Verkehrssicherung) und sind unter besonderer Berücksichtigung der Biotopwertigkeit und des Entwicklungspotenzial der Flächen für den Natur- und Artenschutz auszuwählen.

Öffentliche Forstbetriebe ab 1.000 ha sollen aus oben genannten Flächen „Lern- und Vergleichsflächen“ auswählen, die für den Betrieb repräsentativ sind und diesen dabei unterstützen, den Wald hin zur natürlichen Waldgesellschaft zu entwickeln. Hierfür erarbeitet der Betrieb ein entsprechendes Lernkonzept.

Spätestens 5 Jahre nach Zertifikatserteilung sollen diese Flächen ausgewiesen sein. Optimaler Weise sind die Einzelflächen mindestens 25 ha groß.

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4. Schematische Hiebsverfahren (u.a. Kahlschlag) (Deutscher FSC-Standard 3.0, Version 15.6.2016, 10.1.1)

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das Verbot flächiger und schematischer Nutzung bleibt grundsätzlich bestehen.
  • In einigen Sonderfällen dürfen flächige Hiebsverfahren durchgeführt werden.
  • Das Kahlschlagsverbot für Flächen größer 0,3 ha ist schon bisher ein zentraler Punkt im Deutschen FSC-Standard. Dies besteht nach wie vor, jedoch kommt es zu einer Öffnung und Differenzierung der Regelung.

Bei schematischen Hiebsverfahren (z.B. Kahlschlägen) wurden im Hinblick auf Naturschutzansprüche und die Arbeit einiger FSC-Forstbetriebe mit lichtbedürftigen Baumarten Ausnahmen implementiert, die den Waldbewirtschaftern mehr Freiräume bieten, ohne den FSC-Grundsatz, Bäume nur einzeln oder in Gruppen zu nutzen, aufzugeben. Zukünftig sollen schematische Hiebsverfahren bis zu 1 ha Größe möglich sein, z.B. bei der natürlichen Verjüngung von Kiefer und Eiche oder aus naturschutzfachlichen Gründen. Wie bisher gilt die Ausnahme auch für den Umbau labiler, naturferner Bestockungen. Kahlschläge größer 1 ha sind ebenfalls möglich, wenn akute Waldschutzmaßnahmen dies erfordern (z.B. Eschentriebsterben). Auch Artenschutz- und Biotoppflegemaßnahmen, die auf Grundlage eines mit dem amtlichen Naturschutz abgestimmten Konzepts entstehen, sind möglich.

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5. Anerkennung forstlicher Lohnunternehmerzertifikate (Deutscher FSC-Standard 3.0, Version 15.6.2016)

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bislang erkennt FSC Deutschland forstliche Lohnunternehmerzertifikate nicht an. Dies ändert sich mit dem kommenden Standard.   

Zertifizierungssysteme für forstliche Lohnunternehmer werden bislang von FSC Deutschland nicht anerkannt. Jedoch wurden im Zuge der Revision mögliche Vorteile einer solchen Anerkennung diskutiert. Es wird zukünftig möglich sein, dass die Prüfung einzelner Indikatoren durch den FSC-Auditor entfällt, sofern ein Lohnunternehmerzertifikat vorliegt, das in dem entsprechenden Punkt inhaltlich mit dem Deutschen FSC-Standard übereinstimmt. Eine erste Schnittmengenanalyse ergab eine Reihe deckungsgleicher Indikatoren z.B. bei den Themen Bioöle oder Notfallsets.

Im finalen Standardentwurf sind nun bei mehreren Indikatoren anerkannte Lohnunternehmerzertifikate implementiert (jeweils unter den Indikatoren zu finden im Bereich „Nachweis durch“). Derzeit ist noch nicht geklärt, welche Lohnunternehmerzertifikate von FSC Deutschland anerkannt werden. In der zweiten Jahreshälfte 2016 wird sich FSC Deutschland damit befassen. Dabei wird geprüft, welche Voraussetzung die Systeme erfüllen müssen. Aspekte sind hier u.a. die Zugänglichkeit der Zertifizierungsberichte für FSC Deutschland und FSC-Auditoren sowie Fragen der Anerkennungspraxis.

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6. Motorsägenqualifikation (Deutscher FSC-Standard 3.0, Version 15.6.2016, 2.5.1)

Das Wichtigste in Kürze:

  • Neben Forstwirten dürfen Arbeiten mit der Motorsäge nur von Personen mit  speziellem Zertifikat ausgeführt werden
  • Nicht-gewerblich Arbeitende sollen künftig ihre Fähigkeiten entsprechend der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV-I 214-059) nachweisen.

Sicherheit und Unfallverhütung spielen im FSC-Wald eine große Rolle! Aus diesem Grund finden sich Standard zukünftig eindeutige Anforderungen an Personen, die mit der Motorsäge arbeiten. Diese müssen entweder eine Ausbildung als Forstiwirt nachweisen, oder eine dreijährige Berufserfahrung in Verbindung mit der Vorlage eines European Chainsaw Certificates (ECC), oder ein ECC vorlegen und einen dafür vorbereitenden Lehrgang abgeschlossen haben. Ziel ist es eine vergleichbare, hohe Qualifikation sicher zu stellen.

Auch nicht-gewerblich Arbeitende müssen auch zukünftig ihre Fähigkeiten über eine Motorsägenschulung nachweisen. Diese orientiert sich inhaltlich an Vorgaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV-I 214-059).

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7. Vollbaum- und Nicht-Derbholznutzung (Deutscher FSC-Standard 3.0, Version 15.6.2016, 10.11.7)

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Derbholzgrenze soll weiterhin bei 7 cm liegen. Vollbaumnutzung soll auch in Zukunft nicht zulässig sein.
  • Es werden Ausnahmen definiert, die eine Vollbaumnutzung zulassen.  

Grundsätzlich soll weiterhin der Nährstoffaustrag minimiert werden. Nichtderbholz, also Holz mit Durchmessern unter 7 cm, verbleibt im Wald, eine Vollbaumnutzung ist nicht zulässig. Aufgrund praktischer Erfahrungen der Forstbetriebe mit dieser Regelung sind im künftigen FSC-Standard allerdings Ausnahmen aufgeführt. Diese betreffen forstbetriebliche Notwendigkeiten, wie bspw. Verkehrssicherung, Gassenaufhiebe oder Böschungspflege, falls eine Rückführung des Nicht-Derbholzes in den Wald wirtschaftlich nicht zumutbar ist. Ferner sollen aus Gründen des Naturschutzes und des Waldschutzes bei einer gelegentlichen Unterschreitung durch Selbstwerber oder bei der Nutzung zu Brauchtumszwecken Ausnahmen der „7 cm-Regel“ gelten.

Die systematische Erzeugung von Waldhackschnitzeln auf Grundlage sog. „Waldnutzungskarten“ ist auch weiterhin nicht vorgesehen.

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8. Abstand von Rückegassen (Deutscher FSC-Standard 3.0, Version 15.6.2016)

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der FSC-Standard schreibt keine Gassenabstände mehr vor sondern definiert den maximal zulässigen Anteil der bewirtschafteten Holzbodenfläche, der als Rückegasse befahren werden kann mit 13,5%.

Der aktuelle Deutsche FSC-Standard fordert vom Forstbetrieb, dass dieser einen Gassenabstand von 40m anstrebt. Davon abweichen darf er nur, wenn dies fachlich nachvollziehbar als Ausnahme begründet. Mit der neuen Regelung können Forstbetriebe ohne Begründung z.B. auf 2/3 der Fläche mit 40m Gassenabstand erschließen und auf 1/3 der Fläche mit einem Abstand von 20m. Sowohl dem Bodenschutz als auch betrieblichen Ansprüchen kann damit Rechnung getragen werden.

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9. Sonstige Themen (Deutscher FSC-Standard 3.0, Version 15.6.2016)

Einbindung von Stakeholdern: An mehreren Stellen im Deutschen FSC-Standard wird die Rolle von Stakeholdern (=Interessenvertretern) gestärkt. Unterschieden wird hierbei nach „Betroffenen“ und „Interessierten“. Interessierte sollen eine aktive Rolle spielen, z. B. bei der Entwicklung von Beschwerdeverfahren. Betroffene sollen auf Anfrage und gegen Kostenerstattung Einblick in Planungsunterlagen bekommen und die Möglichkeit erhalten, bei der betrieblichen Planung eingebunden zu werden.

Pestizide und Düngung: Der neue FSC-Standard lässt den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln weiterhin nicht zu. Änderungen gibt es im Zusammenhang mit behördlichen Anordnungen, um das Verfahren bei Staatsforstbetrieben, die keine juristische Person sind und eine Doppelfunktion von Betrieb und Behörde einnehmen, zu regeln.

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