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Mittwoch, 18 Januar 2017
Übersicht zur Schweighofer-Entscheidung von FSC International

Zusammenfassung zum aktuellen Verfahren.


Version: 18.1.2017

Am 7. Dezember 2016 veröffentlichte FSC die Entscheidung des internationalen Vorstandes zum weiteren Vorgehen in Bezug auf die Schweighofer Unternehmensgruppe. Das vorliegende Dokument fasst die wesentlichen Informationen zusammen. Damit wollen wir die Möglichkeit bieten sich ein um-fassendes Bild zu machen.

Hintergrund
Ausgelöst wurde der Vorgang durch eine im November 2015 vom WWF Deutschland eingereichte Beschwerde gegen die Schweighofer Gruppe im Rahmen der sog. Policy for Association (PfA). Ziel der Beschwerde seitens WWF ist es, Schweighofer aufgrund der Beteiligung am Handel mit illegalem Holz aus Rumänien, aus dem FSC-Zertifizierungssystem auszuschließen. Im Zentrum der Anschuldi-gungen stehen drei große Sägewerke des Unternehmens mit ihrem Rohholzeinkauf in Rumänien. Der Marktanteil dieser Werke liegt bei 40 Prozent der rumänischen Sägewerkskapazität. Zur Aufklärung hatte der FSC eine unabhängige Expertenkommission (Complaints Panel im Rahmen der PfA) beauf-tragt den Fall umfassend zu prüfen. Die Kommission sah es in ihrem Bericht an den Vorstand als wahrscheinlich an, dass die Schweighofer Gruppe in Rumänien in illegale Aktivitäten verwickelt war und empfahl dem FSC die Trennung von der gesamten Unternehmensgruppe. Der Vorstand hat ent-schieden, dass das Unternehmen bis Februar 2017 einen Maßnahmenkatalog vorlegen muss. Erste konkrete korrigierende Schritte muss Schweighofer umgehend vollziehen, um den Ausschluss aus dem FSC-System zu verhindern und die Bewährungsfrist zu verlängern. Der Maßnahmenkatalog muss nachvollziehbar auf einen positiven Effekt der gesamten Situation in Rumäniens Wäldern hin-wirken (z.B. Korruptionsgrad, illegaler Holzhandel in Rumänien, Bedrohung von Urwäldern). Das Ziel ist: kurzfristig eine konkrete positive Veränderung bei Schweighofer zu erwirken. Damit sollen langfris-tig positive Impulse in der rumänischen Forstwirtschaft erreicht werden. Dies entspricht dem grund-sätzlichen Ziel des FSC: Waldwirtschaft positiv zu verändern. Der FSC-Vorstand hat mit seiner Ent-scheidung einen Weg gewählt, der im Widerspruch zur Empfehlung der Untersuchungskommission zu stehen scheint. Im Unterschied zur Untersuchungskommission bewertet der Vorstand bei seinen Entscheidungen immer auch den Gesamtkontext einer Situation. Im Nachgang der Vorstandsent-scheidung haben die Mitglieder der Untersuchungskommission ihre Unterstützung für die Entschei-dung des Vorstandes erklärt.
Die Policy for Association (PfA)

Die Policy for Association ist eine Regelung zum Schutz der wichtigsten Grundwerte des FSC im Zusammenhang mit Waldbewirtschaftung. Zur Einhaltung dieser Regeln, verpflichtet sich jede Organisa-tion und jedes Unternehmen, dass nach FSC-Standards zertifiziert ist. Der Betrachtungsbereich dieser Grundwerte bezieht sich immer auf das gesamte Unternehmen und damit auch auf nicht-FSC-zertifizierte Unternehmensteile. Verstöße gegen die Policy for Association können durch Entscheidung des Vorstandes von FSC International, auf Basis einer vorhergehenden Untersuchung, geahndet werden.

Inhalte des Maßnahmenkatalogs von Schweighofer
Teil der Bewährungsauflagen ist zunächst ein klares Schuldeingeständnis von Schweighofer. Darüber hinaus müssen in allen Unternehmensbereichen konkrete Schritte unternommen werden, um zeitnah Schlupflöcher für Holz aus zweifelhafter oder illegaler Herkunft in der eigenen Lieferkette dauerhaft zu schließen. Zusätzlich muss das Unternehmen zusammen mit Akteuren der Zivilgesellschaft einen Prozess für Reparationsleistungen und zur Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags initiieren. Bis Anfang Februar 2017 muss ein darüber hinausgehender Maßnahmenkatalog durch das Unternehmen vorgelegt werden. Sind die von FSC formulierten Anforderungen von der Schweighofer Gruppe erfüllt, kann die Bewährung bis zur nächsten Vorstandssitzung im Mai 2017 verlängert werden. Wird die Be-währung nicht verlängert, kommt es zur formalen Trennung (Disassoziierung) des FSC von der Schweighofer Gruppe mit Wirkung für alle Tochterunternehmen und alle Beteiligungen des Unter-nehmers Gerald Schweighofer.

Die Rolle von Schweighofer in Rumänien
Die Schweighofer Gruppe verarbeitet als Marktführer 40% der rumänischen Sägewerkskapazität. Darüber hinaus importiert das Unternehmen große Holzmengen aus der Ukraine und anderen Nachbarländern zur Verarbeitung. Die Schweighofer Gruppe könnte damit, im Kampf gegen illegale Rodungen, Land-raub, Holzdiebstahl und Korruption im Forstsektor, eine Schlüsselrolle einnehmen. Eine langfristige positive Entwicklung in Kooperation mit der in der rumänischen Holz- und Forstindustrie hilft, nach Überzeugung des FSC, Umwelt und Menschen in der Region mehr, als der Ausschluss des Unter-nehmens.

Kann die Schweighofer Gruppe derzeit FSC-Produkte herstellen und kennzeichnen?
Derzeit verfügt ein Holzverarbeitungswerk der Schweighofer Gruppe über ein gültiges FSC-Zertifikat. Diese Holzwerkstofffabrik in diesem Verfahren bisher nicht negativ aufgefallen. Die Gefahr einer Einschleusung von illegalem Holz in FSC-zertifizierte Warenströme durch das Unternehmen ist hier gering, da zertifiziertes Holz bereits als solches eingekauft werden muss und nicht mit unzertifiziertem Material vermischt werden darf. Darüber hinaus verfügt das Unternehmen derzeit über 12.000 Hektar FSC-zertifizierten Wald in Rumänien.

Welche Rolle hat der FSC Deutschland in dem Fall der Schweighofer Gruppe?
Der FSC Deutschland hat als eigenständige nationale Organisation keine direkte Rolle bei Entschei-dungen des internationalen Vorstandes. Deutschland ist ein wichtiger Markt für Holz und Holzprodukte aus Rumänien. Einige deutsche Umweltschutzorganisationen, darunter auch Mitglieder von FSC Deutschland, engagieren sich zusammen mit ihren Kollegen in Rumänien für den Erhalt der dortigen Wälder und für ein ökologisch verantwortungsvolles Handeln der dortigen Forst- und Holzindustrie. FSC Deutschland ist daher von der Entwicklung im Fall Schweighofer indirekt betroffen. Die hohen Erwartungen an den FSC sowie das Interesse deutscher Akteure an dem Land erklären die öffentliche Beachtung dieses Falls.
FSC Deutschland unterstützt FSC International bei seinen Bemühungen einer substanziellen Verbes-serung der Forstwirtschaft in Rumänien. Für FSC International ist klar, dass jede weitere Entscheidung zur Schweighofer Gruppe Auswirkungen auf FSC in Zentraleuropa haben wird. Das gemeinsame Ziel ist es, im Sinne der bedrohten Wälder Rumäniens und der umliegenden Länder, kluge zukunftsfähige Lösungen zu finden, bei denen die Reputation des FSC keinen Schaden nimmt. FSC Deutschland wird den Prozess weiterhin im Sinne der Mitglieder von FSC Deutschland begleiten.

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Die Übersetzungen der Stellungnahme seitens FSC International, sowie Hintergrunddokumente finden Sie unter:
http://www.fsc-deutschland.de/de-de/aktuelles/id/231
Im englischen Original finden Sie alle Texte und Informationen zum Fall unter:
https://ic.fsc.org/en/stakeholders/dispute-resolut […]


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