Analyse der Marktsituation für FSC® in der Sägeindustrie

Marktstudie im Auftrag der Gutes Holz Service GmbH (FSC® Deutschland), Freiburg
Oktober 2013

Dr. Franz-Josef Lückge & Dr. Christian Held
UNIQUE forestry and land use GmbH, Freiburg

Hintergrund
Die im Auftrag der Gutes Holz Service GmbH gefertigte Marktstudie soll zu einem besseren Verständnis seitens des FSC Deutschland über die Marktdynamik und die Bedürfnisse der Sägeindustrie in Deutschland beitragen. Wesentliche Ergebnisse dieser Studie wurden durch die Analyse vorhandener Daten und Informationen sowie strukturierte Interviews mit Eigentümern und Geschäftsführern von zwanzig Sägewerken in Deutschland, die bereits FSC-CoC-zertifiziert sind, gewonnen. Weitere Interviews wurden mit Abnehmern der FSC-zertifizierten Sägewerkserzeugnisse geführt.
Innerhalb von Deutschland sind derzeit 55 Zertifikate mit einer Waldfläche von insgesamt 577.000 ha FSC-zertifiziert. Gemessen an der gesamten Waldfläche in Deutschland entspricht dies rund 5 %. Geht man vereinfachend davon aus, dass Waldflächenanteil und Holzeinschlaganteil einander entsprechen, so dürften in den letzten Jahren jährlich rund 1,5 Fm FSC-zertifiziertes Stammholz in Deutschland aus inländischem Holzeinschlag zur Verfügung gestanden haben. Aus Importen nach Deutschland dürften zusätzlich knapp 1 Mio. Fm FSC-zertifiziertes Stammholz stammen.
In Deutschland existieren aktuell 2.200 Sägewerke. Rund 15 % dieser Werke haben im Jahr 2010 mehr als 10.000 Fm Stammholz eingeschnitten. Aus den insgesamt knapp 2,5 Mio. Fm Stammholz, das den Sägewerken in Deutschland aus FSC-zertifizierten Wäldern zur Verfügung steht, können rechnerisch 1,5 Mio. FSC-zertifiziertes Schnittholz erzeugt werden. Dies wären 7 % des in Deutschland erzeugten Schnittholzvolumens. Aktuell sind 60 Sägewerke in Deutschland FSC-CoC-zertifiziert, davon sind 33 auf den Einschnitt von Laubholz und 27 auf den Einschnitt von Nadelholz ausgerichtet. Diese Verteilung weicht erheblich von der Verteilung der Nadel- bzw. Laubholzsägewerke in der Grundgesamtheit ab. Bei den FSC-CoC-zertifizierten Sägewerken sind Laubholzsägewerke weit überproportional vertreten.

Versorgung mit FSC-zertifiziertem Stammholz
Die Beschaffung von Rundholz aus FSC-zertifizierten Wäldern ist in hohem Maße durch die Verfügbarkeit im Einkaufsbereich der Werke geprägt. Sägewerke, die in Regionen mit großen FSC-zertifizierten Waldflächen angesiedelt sind (z. B. Norddeutschland), haben durchweg keine Probleme, die benötigten Stammholzmengen zu beschaffen. Die Anteile von Stammholz aus FSC-zertifizierten Wäldern an der Gesamtbeschaffung der Werke in diesen Regionen liegen typischerweise bei mehr als 30 %, in Einzelfällen stammen bis zu 70 % aus FSC-zertifizierten Wäldern. Einen Aufpreis gegenüber nicht-zertifiziertem oder PEFC-zertifiziertem Stammholz verlangen die Forstbetriebe in den Regionen mit hohem Anteil FSC-zertifizierter Waldflächen nahezu durchweg nicht bzw. ist bei den Sägewerken nicht durchzusetzen.

Die Stammholzbeschaffung in Regionen mit einem geringen Anteil von FSC-zertifizierten Wäldern ist generell schwieriger. Für die Sägewerke ist es aufwendiger, die benötigte zertifizierte Holzmenge zu bekommen, teilweise wird deshalb der Einkaufsradius ausgedehnt. In den Regionen mit knappem Angebot an FSC-zertifiziertem Stammholz erzielen die Forstbetriebe in Einzelfällen höhere Rundholzerlöse als bei nicht-zertifiziertem bzw. PEFC-zertifiziertem Rundholz. Der mögliche Mehrerlös überschreitet 5 Euro/Fm nicht, meist liegt er im Bereich von 2 bis 3 Euro/Fm. Typischerweise liegt der Anteil von FSC-zertifiziertem Stammholz an der Gesamtbeschaffung der Werke in diesen Regionen bei ca. 10 %, in Einzelfällen bei maximal 30 %. Der FSC-Anteil liegt bei großen FSC-CoC-zertifizierten Nadelholzsägewerken in Süddeutschland (deutlich) unter 5 % des Gesamtstammholzbedarfs.
Alle Gesprächspartner beziehen ihr Stammholz direkt von FSC-zertifizierten Forstbetrieben, Zwischenhändler werden offenbar nicht oder allenfalls in geringem Umfang tätig. Ein einzelnes befragtes Großsägewerk bezieht große Mengen FSC-zertifiziertes Kiefernstammholz im Direktimport aus Polen. Die FSC-zertifizierten Forstbetriebe modifizieren ihre Vertragskonditionen und ihre (Qualitäts-)Sortierung beim Absatz von FSC-zertifiziertem Holz bzw. an Nachfrager von FSC-zertifiziertem Holz nicht.

Absatz von FSC-zertifiziertem Schnittholz
Die Einschätzungen der Gesprächspartner aus der Sägeindustrie zum Absatz von FSC-zertifiziertem Schnittholz und Sägenebenprodukten unterscheiden sich ausgesprochen deutlich nach den eingesetzten Holzartengruppen bzw. den daraus erzeugten Schnittholzsortimenten. Die Marktchancen von FSC-zertifiziertem Nadelschnittholz werden – von wenigen spezifischen Produkten abgesehen – durchweg kritisch beurteilt. Mehrerlöse sind nur in Ausnahmefällen zu erzielen. In Einzelsegmenten sei die FSC-CoC-Zertifizierung heute nur noch eine Marktzutrittshürde, die zertifizierten Unternehmen den Marktzutritt erlaube und nicht zertifizierte Unternehmen ausschließe. Differenzierter sind die Aussagen der Interviewpartner, die hauptsächlich Laubholz einschneiden oder sehr spezialisierte Nadelholzprodukte erzeugen. Sie sind fast durchweg als Nischenanbieter am Markt tätig. Bei ihren Abnehmern, die gezielt nach FSC-zertifizierten Produkten fragen, handelt es sich  überwiegend um Hersteller von Holzspielzeug, Küchenutensilien, Werkzeuggriffen, Treppen(stufen) und Parkett/Holzfußböden. Mehrerlöse für FSC-CoC zertifiziertes Laubschnittholz können nicht immer erzielt werden. Soweit sie durchzusetzen sind, ist ihr Ausmaß begrenzt, keiner der Befragten nannte mehr als 10 Euro/m³. Nur die wenigsten Unternehmen waren in der Lage, konkrete Aussagen zu den ökonomischen Vor- und Nachteilen der FSC-Zertifizierung zu treffen.

Fazit
Die vorliegende Studie zeigt, dass FSC-CoC-zertifizierte Produkte der Sägeindustrie in Deutschland in Teilmärkten erfolgreich etabliert sind. Es ist zu erwarten, dass sich dies in der nächsten Zeit nicht grundsätzlich ändern wird. Deshalb sollte der FSC seine einschlägigen Aktivitäten auf diese Teilmärkte konzentrieren. Die meisten Teilmärkte haben den Charakter von Marktnischen. Es handelt sich weit überwiegend um Laubholzprodukte und einige wenige Nadelholzprodukte in endverbrauchnahen Anwendungen im engen Lebensumfeld der Nachfrager. Beispiele sind: Holzspielzeug, Werkzeuggriffe, Küchenutensilien aus Holz, Bilderrahmen und Leisten. Bodenbeläge und Treppenstufen aus Laubholz sind dagegen Teilmärkte für FSC-CoC-zertifizierte Produkte mit höherem Mengenvolumen. Da die genannten Produkte im Inland bzw. innerhalb von Europa von einigen wenigen Firmen erzeugt werden, dies gilt insbesondere für Holzböden, können die Aktivitäten des FSC dort konzentriert ansetzen.


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